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    Die schrumpfende Liga -----

    Jan 23 2012 00:26 | KSV 05  in aus der Presse

    Von Bernd Müller - Schwaepo.de

    Ringen, Bundesligatagung: Kommt eine Anzeige gegen finanziell tricksende Vereine in der Bundesliga?

    Keine Runden-Reform. KSV-Youngster Benjamin Sezgin (rechts) wird weiter die Chance haben, fünf Runden zu kämpfen.

    Die Zahl der Ringer-Bundesligisten schrumpft weiter: Nachdem Musberg vor der Bundesligatagung den Rückzug erklärt hat und zwei weitere Teams wackeln, dürfte es in der kommenden Saison zwei Bundesligen mit je acht Teams geben. Unterdessen droht ein Funktionär des AC Lichtenfels andere Bundesligisten anzuzeigen.

    Zweimal acht Erstligisten? Der Trend ist beunruhigend: Die Ringer-Bundesliga gleicht einem Karussell, von dem mehr Leute abspringen aus neu aufsteigen. Die zweigeteilte Bundesliga hatte 2010/2011 aus je zehn Mannschaften bestanden, wenn es nun je acht werden sollten, macht das binnen zwei Jahren eine Schrumpfung um 20 Prozent. Musberg geht der West-Liga verloren, Neuss steht offenbar kurz davor, den Rückzug zu vermelden, neu dazu kommt Aufsteiger SV Triberg. In der Ost-Liga, zu der der KSV Aalen gehört, sieht es ähnlich aus. „Der AC Lichtenfels will wohl ebenfalls seine Mannschaft zurückziehen“, sagt KSV-Vizepräsident Helmut Klingl, der bei der Bundesligatagung zusammen mit Markus Klingler, dem Sportlichen Leiter, den KSV vertrat. Untergriesbach hat bekanntlich absichtlich in der Relegation verloren, um aus der Bundesliga rauszukommen und ist nun vom DRB auf die Ebene des Landesverbandes zurückgestuft worden. Neu im Osten ist Aufsteiger Leipzig.


    Weiter Fünf-Runden-Kämpfe möglich: Was nicht schrumpft, ist die Zahl der Siegrunden. Die Bundestrainer Alexander Leipold und Jannis Zamanduridis waren bei der Bundesligatagung inDarmstadt, um sich für eine Reform der Rundenregelung stark zu machen. Die Idee: In der Bundesliga sind nur noch maximal drei Runden möglich statt der bisher maximal fünf (weil es auf drei Siegrunden geht). „Leipold hat argumentiert, dass man sich möglichst nah an die internationalen Regeln annähern möchte“, berichtet Klingl. Doch die Vertreter der Bundesligisten lehnten fast geschlossen ab, weil sie um die Attraktivität ihrer Wettkämpfe fürchten. „Ein Kampf über fünf Runden, das ist doch das Salz in der Suppe bei einem Bundesligakampf“, sagt Klingler. Zumal wenn ein deutscher Ringer es schaffe, einen Ausländer noch zu besiegen, wenn er den Kampf in der dritten Runde drehe.


    Anzeige gegen Nebenkosten-Sparer? Ein Missstand, den KSV-Sportleiter Markus Klingler schon vor Jahren angeprangert hat, sollte eigentlich beim Treffen der Bundesligavereine beseitigt werden: Dass nämlich immer noch viele Ringer als Amateur beim DRB und den Behörden gemeldet werden. Etwas mehr als 2000 Euro im Jahr dürfen Amateure laut Gesetz als Aufwandsentschädigung erhalten. Viele glauben, dass das in vielen Fällen nicht mit rechten Dingen zu geht: Auch DRB-Präsident Manfred Werner: „Und das in der ersten Bundesliga, das kann man nicht glauben, dass die Ringer wegen der guten Luft in Mainz, Luckenwalde, Leipzig, oder Nendingen ringen. Wenn in der Ersten Bundesliga 70 Prozent der Mannschaft, oder mehr, als Amateure angemeldet werden, die ausschließlich Aufwandsentschädigungen erhalten, so ist dies schlichtweg nicht glaubwürdig.“ Der Großteil der Bundesligisten arbeite seriös, so Werner, der von „wenigen schwarzen Schafen“ sprach. „Die ziehen den gesamten Ringkampfsport in die Negativschlagzeilen. “
    Markus Klingler hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der KSV, der seit der Neugründung alle Vorschriften zum Status der Ringer erfülle, durch solche Verfahren im Nachteil sei: weil sich andere Vereine auf diese Art einen unlauteren Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem sie diverse „Lohnnebenkosten“ einsparen.
    Ein entsprechender Antrag, diese Möglichkeit zu begrenzen, hat keine Mehrheit gefunden. Stefan Heinlein, der Zweite Vorsitzende des AC Lichtenfels, ging weiter: Heinlein habe eine lange Liste von Athleten, deren Prämien, Gehälter, Honorare er im Verlauf seiner Recherchen erfahren habe, berichtet DRB-Pressereferent Jörg Richter, der Heinlein so zitiert: „Mir stinkt es, wenn andere Vereine wissentlich ihre Sportler weiterhin als Amateure starten lassen, die fälligen Abgaben umgehen und dieses Geld als Prämien obendrauf legen.“
    Der AC Lichtenfels ist selber ein gebranntes Kind: Der Verein musste rund 23 000 Euro an Abgaben nachzahlen, nachdem der Zoll die Finanzen des Vereins geprüft hatte, so berichtet Richter.
    Nun denkt Ringerfunktionär Heinlein über eine Anzeige nach. Heinlein: „Ich habe gewartet, ob die Bundesligatagung etwas ergibt.“ Doch es sei nichts passiert. „Die Vereine schweigen, lügen und machen einfach so weiter.“ Heinlein sagte laut Presseberichten, dass er belastendes Material am Dienstag den Staatsanwaltschaften übergeben will. Vorher wolle er noch mit seiner Anwältin beraten.
    © Schwäbische Post 22.01.2012